Enkeltrick? Nicht mit uns!

von Redaktion Diakonie

Mitarbeiter Peter Schmidt & Tagespflegegast
Renate Hoffmann sind nun bestens informiert.
Die pfiffige Seniorin hat bisher zum Glück noch
keine Anrufe von falschen Enkeln bekommen,
ist aber immer auf der Hut, wenn das Telefon klingelt.

Kriminalhauptkommissar a. D. Stephan Lack berät Senioren zu Trickbetrug am Telefon

Das Telefon klingelt. Endlich mal wieder, nach so langer Zeit! Vielleicht meldet sich ja die Familie mal? Erwartungsvoll greift die einsame Seniorin zum Telefonhörer. Doch dann der Schock: Am Telefon spricht die Polizei. Ihre geliebte Enkeltochter soll einen schweren Autounfall gehabt haben und brauche nun dringend Geld für ein neues Auto. Man würde umgehend jemanden vorbei schicken, um das Geld abzuholen. Voller Aufregung willigt die ältere Dame sofort ein. Am nächsten Tag meldet sich ihre Enkelin, von einem Unfall weiß diese aber nichts. Das Geld – ihre gesamten Ersparnisse - sieht die Großmutter allerdings nie wieder.

So ähnlich erging es einer 82-jährigen Frau aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald zum Jahresanfang. Allzu häufig sind die Betrugsmaschen nicht erfolgreich, aber wenn doch, dann wird es richtig teuer. Zum Glück sind die Telefonbetrüger nur in 5% der Fälle überzeugend genug, um den Senioren ihr Erspartes aus der Tasche zu ziehen. Die Methoden werden dabei allerdings immer perfider und ausgefeilter.

Um die Gäste unserer Tagespflege „Heimathafen“ in Greifswald ein wenig mehr für das Thema zu sensibilisieren, besuchte uns am 22. März Kriminalhauptkommissar a. D. Stephan Lack. Der Seniorensicherheitsberater informiert mit Unterstützung des Landkreises ältere Menschen und Angehörige ehrenamtlich und kostenlos zu Kriminalitätsrisiken in ihrem Alltag. Neben dem Verhalten im Straßenverkehr, sind vor allem Diebstahl und Trickbetrug an Tür und Telefon Situationen, die viele Unsicherheiten mit sich bringen.

Wie professionell und organisiert die Betrüger mittlerweile vorgehen, verblüfft nicht nur die Tagesgäste, sondern auch uns als Mitarbeiter. Teilweise stecken ganze Callcenter hinter den Anrufen, die mit einer Vielzahl an Mitarbeitern aus dem Ausland agieren und es vor allem auf über 75-jährige alleinstehende Damen abgesehen haben, erklärt Stephan Lack.

Dabei geben sich die Anrufer meist als enge Angehörige wie Kinder oder Enkelkinder aus und setzen darauf, dass die Senioren das Gesprochene am Telefon akustisch nicht mehr so gut verstehen. Wer würde schon gern zugeben, dass er die eigenen Enkel nicht mehr an der Stimme erkennt? Auch als Polizisten, Staatsanwälte oder Notare melden sich die Anrufer und nutzen dabei teilweise gefälschte Nummernanzeigen auf dem Display des Angerufenen.

Als Grund für eine Geldübergabe wird gern eine Notsituation des geliebten Angehörigen vorgegeben – ein Unfall, plötzliches Verschulden, Probleme im Ausland – für die unbedingt schnell und viel Geld erforderlich ist. Diese Behauptungen sollen für den Betrogenen möglichst schockierend wirken, um durch Stress und Angst eine unüberlegte Entscheidung hervorzurufen, so der Seniorensicherheitsberater.

Wären wir nicht besorgt, wenn die Polizei, mit der 110 auf dem Display, vom schwer verletzten Sohn berichtet, der nun so schnell wie möglich sehr viel Geld für eine dringende Operation benötigt?

 

Um hier besonnen reagieren zu können, gibt der Kriminalhauptkommissar folgende Tipps:

  • Wenn der Anrufer raten lässt, wer dran ist, sollte man misstrauisch werden und ihn auffordern den Namen zu nennen. Das Erfragen von Dingen, die nur Verwandte wissen können, kann hier Zweifel ausräumen.
  • Die Polizei ruft nie mit der 110 an. Der Angerufene sollte auflegen, selbst die Polizei kontaktieren und den Vorfall schildern.
  • Immer im persönlichen Gespräch die Mobilfunknummern der engsten Angehörigen geben lassen – so kann man im Fall eines Schock-Anrufs den vermeintlich Betroffenen direkt kontaktieren und sich vergewissern, dass er wohlauf ist.
  • Die Frage nach Geld und Wertsachen, die zuhause aufbewahrt werden, immer verneinen. So verliert der Anrufer vielleicht schon das Interesse.
  • Grundsätzlich kein Geld an der Haustür herausgeben. Die Polizei verlangt niemals Bargeld an der Tür.
  • Im Zweifelsfall ruhig den Dienstausweis des Polizisten an der Tür zeigen lassen, ein echter Polizist sollte damit kein Problem haben.
  • Wenn Gewinne am Telefon versprochen werden, obwohl man an keinem Gewinnspiel teilgenommen hat, sollte man stutzig werden. Auch ein Gewinn, der den Abschluss eines Abos oder sonstige Käufe voraussetzt, kann kein echter Gewinn sein.
  • Vorsicht bei Spenden-Sammlern. Nicht gleich unterschreiben, sondern den Überweisungsträger sowie Infomaterial geben lassen und nochmal in Ruhe abwägen. Wer sichergehen möchte, spendet an einen Verein in der Nähe, dann kann man vorbeischauen und sieht wofür das Geld genutzt wird.
  • Eine Garantie für die Echtheit des Anrufers gibt es leider nie. Mit den technischen Möglichkeiten heutzutage, ist es nicht schwer, jede beliebige Nummer auf dem Telefon anzeigen zu lassen, Stimmen zu verändern und im Vorfeld gründlich über die Familienverhältnisse der Zielperson zu recherchieren.

Unsere Tagesgäste können sich nach dieser interessanten Beratungsrunde immerhin schon etwas sicherer fühlen. Ältere Familienmitglieder schützen Sie am besten vor Trickbetrügern, in dem Sie miteinander über die Betrugsmaschen sprechen und Ihnen vermitteln, dass Sie für sie erreichbar sind, wenn es einen angsteinflößenden Anruf gegeben hat. Wer auch gern einen Beratungstag in der Sozialstation oder Tagespflege durchführen möchte, kann sich an den unten genannten Kontakt wenden und einen Termin vereinbaren.

Der Präventionsrat des Landkreises Vorpommern-Greifswald
Koordinator Präventionsrat
SG Jugendpflege und Sport
An der Kürassierkaserne 09
17309 Pasewalk

Tel.: 0 38 34 – 87 60 27 37
E-Mail: boerge.glawe@kreis-vg.de

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