COVID-19-Pandemie - Ein Rückblick

von Redaktion Diakonie

Wenn ich auf die Entwicklung der letzten 1,5 Jahre zurückschaue, muss ich sehr oft schmunzelnd an einen Moment aus meinem Sommerurlaub 2019 in Japan zurückdenken. Mir war auf der Reise immer wieder aufgefallen, dass die Japaner in Zügen, Geschäften und vielen anderen Orten Masken trugen – auch bei großer Hitze. Nach einer Weile erfuhr ich, dass es dort für Groß und Klein absolut üblich ist, bei einer Erkältung oder Grippe eine Maske zu tragen, um andere nicht anzustecken. Für mich war diese Einstellung damals etwas ganz Besonderes. Für die Japaner absolut alltäglich, wenn man sich krank fühlt, Allergiker ist oder sich vor Feinstaub schützen möchte. Ganz am Ende unserer Reise waren wir dann noch einmal in einer großen Drogerie auf der Suche nach Mitbringseln. Aufgrund des großen Bedarfs gab es in vielen Geschäften eine riesige Auswahl an Masken in allen Formen und Farben. Ich stand nun also vor dem Regal mit den vielen bunten Masken und mir gefiel der Gedanke, mir als landestypische kleine Erinnerung neben außergewöhnlichen Süßigkeiten und Getränken ein paar von diesen Mundschutz-Dingern mitzunehmen, aber auch nicht zu viele – schließlich würde ich sie in Deutschland ja niemals brauchen… Weit gefehlt! Etwas mehr als ein halbes Jahr später saß ich mit genau diesen Masken in einem unserer ersten Treffen des Corona-Interventionsteams, denn Mundschutz war schließlich absolute Mangelware zu dieser Zeit in Deutschland.

Unser allererstes Interventionstreffen hatten wir am 16. März 2020. An diesem Tag mussten auch die Schulen landesweit erstmals schließen und mir wurde langsam das Ausmaß des Ganzen so richtig bewusst. Bis dahin dachte ich noch: „Ach, bis zum Mai ist der ganze Spuk vorbei! Wir sind wieder alle ganz normal beieinander, wie immer und denken an diese komische Zeit zurück“.  So setzten wir uns also zusammen und sortierten gemeinsam den ersten Überschwall an Informationen, neuen Regelungen, Paragraphen und Schutzmaßnahmen. Aufgaben wurden verteilt, Pandemiepläne sowie Schutzkonzepte erstellt und Ideen gesammelt, wie wir möglichst schnell an die zu der Zeit enorm knappe Schutzausrüstung kommen würden. Der regelmäßige Newsletter und ein häufiger direkter telefonischer Austausch mit den Pflegedienstleitungen gehörten bald zum Alltag. Schnelle Reaktionen und Entscheidungen waren nun immer wieder erforderlich. Oftmals änderten sich Bestimmungen – wie zum Beispiel die „Osterregelung“ - so schnell und häufig, dass der Newsletter mehrmals während der Entstehung komplett verändert werden musste, um noch aktuell zu bleiben.

Wenn eine Station einen positiven Fall meldete, kamen viele Fragen auf: Wie schlimm ist es? Wer hatte alles Kontakt? Ist das Gesundheitsamt informiert? Wer muss in Quarantäne? Wie viele Mitarbeiter fallen aus? Ist jemand schwer erkrankt? Können wir alle Klienten ausreichend weiter versorgen? Machen wir erstmal nur die lebensnotwendigen Einsätze? Ist genug Schutzkleidung vor Ort? Ohne schnelles und besonnenes Handeln von allen Seiten ging nichts mehr. Einige Stationen waren in der ersten und zweiten Welle zeitweise recht stark betroffen, aber die Pflegedienstleitungen haben sich mit ihren Teams durchgekämpft und die Schwierigkeiten auf bewundernswerte Weise gemeistert, obwohl das Arbeiten mit Mundschutz, mehr Dokumentationsaufwand und vielen Beschränkungen das Leben von Mitarbeitern, Klienten und Angehörigen nicht leichter machen. Durch die Kontaktbeschränkungen war es nicht immer ganz einfach, sich schnell gemeinsam auszutauschen. Aber moderne Technik, wie Videokonferenz & Mobilgeräte, halfen uns durch Homeoffice, Ausgangsbeschränkungen und Abstandsgebot.

Gerade den letzten Winter haben wir sicher alle nicht in allzu guter Erinnerung: Die Inzidenzen waren hoch, wenige enge Kontakte, kein Weihnachtsmarkt, keine Feste und das Bangen um das Weihnachtsfest mit der Familie. Dass mein persönliches Weihnachtsfest dann ins Wasser fallen würde, erfuhr ich am 23. Dezember 2020. Eigentlich war ein Besuch bei meiner Familie in Brandenburg geplant, der aber durch Corona-Fälle im engeren Umfeld nicht stattfinden konnte. Da hieß es dann improvisieren, denn einen Baum oder ein großes Essen ließen sich so schnell nicht mehr für mein kleines Weihnachtsfest organisieren. Heiligabend gab es dann eine Videokonferenz mit der Familie. Das ist sicher nicht meine beste Weihnachtserinnerung, aber auch eine unvergessene. Sie hat mir noch einmal ganz deutlich bestätigt, dass es nicht auf die größte Tanne, die teuersten Geschenke oder das aufwändigste Essen ankommt – sondern einzig und allein auf die Nähe zu den Liebsten und die Gesundheit der Familienmitglieder und Freunde. Die Hoffnung auf ein besseres Jahr 2021 blieb.

Mit dem Jahreswechsel kam dann die umfangreiche Möglichkeit der Schnelltests, wodurch endlich einige Ungewissheiten abgebaut und der Kontakt zwischen Mitarbeitern und Klienten wieder etwa sicherer gestaltet werden konnte. Auch wenn es sich immer nur um eine Momentaufnahme handelt - positive Fälle können somit schneller gefunden und größere Ausbrüche vermieden werden. So ging auch der lange Winter zu Ende, die Zahlen gingen etwas herunter und die ersten Impfungen konnten angeboten werden. Jetzt im Sommer 2021 gehören Corona und viele Maßnahmen leider immer noch zu unser aller Alltag. Aber ein wenig können und sollten wir jetzt aufatmen, die Zeit der kleinen Erleichterungen genießen, unsere Lieben treffen, die Natur genießen und bei Ausflügen auftanken. Auch wenn wir doch mit etwas Sorge auf den kommenden Winter blicken, wissen wir, dass wir besser gerüstet sind. Denn einiges hat sich weiterentwickelt: Wir haben Tests, genug Schutzkleidung und einiges dazugelernt. Viele Stationen haben schon gute Impfquoten erreicht – mehr als 60% der Mitarbeiter und Klienten sind in vielen Einrichtungen bereits geschützt.

Ich bin zuversichtlich, dass enger Austausch, gegenseitige Unterstützung, Solidarität und Zusammenhalt uns auch den kommenden Winter meistern lassen.

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